Natur und Geschichte im Gelpetal

Ronsdorfer Talsperre

Schon die Anreise ist reizvoll. Von Düsseldorf über die A46 kommend, fährt man vom Sonnborner Kreuz über die L418 in Richtung Wuppertal-Cronenberg. An der Einfahrt zum Burgholztunnel fühlt man sich an schönen Tagen fast wie in einer waldigen Hügellandschaft Norditaliens. Die Natur gibt hier bereits einen Vorgeschmack auf eines der schönsten Wandergebiete des Bergischen Landes: das Gelpetal.

Wanderweg durch das Gelpetal

Das Gebiet ist von einem dichten Wanderwegenetz durchzogen. Für Rundtouren gibt es verschiedene Einstiegspunkte und Varianten. Wir haben uns eine Rundtour von ca. 9 km Länge zusammengestellt, die am Clemenshammer in Remscheid beginnt. Es gibt dort (Clemenshammer 46, 42855 Remscheid) einen kleinen Wanderparkplatz für ca. fünf Fahrzeuge; die Straße ist für Autos gesperrt, aber bis zum Parkplatz freigegeben. Von hier aus startet unser Rundweg zunächst in Richtung des Ortsteils (Remscheid-)Westen. Hier lohnt sich ein kurzer Abstecher für einige schöne bergische Fachwerkhäuser. Zurück auf dem Rundweg geht es nach Norden bis zur Ronsdorfer Talsperre. Von der 1898/99 erbauten Staumauer hat man einen wunderschönen Ausblick auf den Stausee (mit vielen Karpfen!) und das umgebende Waldgebiet.

Ronsdorfer Talsperre

Weiter geht es auf dem Wanderweg zur Luhnsfelder Höhe (Wuppertal Ronsdorf). Hier verlässt der Weg für kurze Zeit den Wald und führt an Pferdeweiden vorbei, bevor er dann in südwestlicher Richtung auf die Gelpe trifft. Von hier ab folgt der Wanderweg im Tal dem Verlauf des Baches.

Pferdeweiden auf der Luhnsfelder Höhe (Wuppertal Ronsdorf).

Das Gelpetal war im 18. Jahrhundert ein wichtiger Ort der Frühindustrialisierung. Viele von Wasserrädern (später auch Dampfmaschinen) angetriebene Hammerwerke und Schleifkotten gab es hier. Die Standorte dieser kleinen Anlagen sind heute noch mit Tafeln am Wegrand markiert. Das Eisenerz, das hier verarbeitet wurde, stammte meist aus dem Siegerland. In kleinen Eisenhütten wurde es geschmolzen und dann von den Handwerkern zu hochwertigen und weithin gefragten Werkzeugen verarbeitet. Heute sind solche Hammerwerke und Schleifkotten kaum noch vorhanden. Eine Ausnahme bildet der Steffenshammer direkt am Beginn der Wanderung. Er wurde aufwändig saniert und wird heute vom „Steffenshammer e.V. – Förderverein für historischer Schmiedetechnik“ weiter gepflegt und erhalten. Der Verein bietet auch Besichtigungen und Vorführungen an; Termine finden sich auf der Vereinshomepage.

Der Steffenshammer in Remscheid

Im Zuge der Verdrängung der Kleinbetriebe durch großindustrielle Werke entwickelte sich das Gelpetal im 20. Jahrhundert zunehmend zum Naherholungs- und Ausflugsgebiet. Die Anfänge dieser Entwicklung dokumentieren sich in einigen schönen Bauten, die bergische Schieferoptik mit verspieltem Holz- und Stuck-Dekor verbinden. Besonders pittoresk (auch wegen seiner Lage) ist sicherlich das Ausflugslokal Zillertal von 1904 (mit Garten und Außengastronomie). Vielleicht erwacht künftig ja auch noch einmal die Gastwirtschaft am Käshammer aus ihrem Dornröschenschlaf. Zumindest finden dort aktuell Renovierungsarbeiten statt. 

Gastwirtschaft Zillertal

Hinter dem Lokal Zillertal ist der Hauptwanderweg aktuell (aufgrund einer abgebrochenen Böschung) für ein kleines Stück gesperrt. Man kann als Fußgänger diesen Teil umgehen, indem man einfach den schmalen Weg direkt am Bach entlangläuft. Über eine Brücke gelangt man nach kurzer Zeit wieder auf den Hauptweg und dann auch rasch zurück zum Ausgangspunkt der Wanderung.

Die Rundwanderung durch das Gelpetal ist gerade jetzt im Frühjahr ein wunderbarer Ausflug in die schöne Natur des Bergischen Landes und gleichzeitig ein spannender Streifzug durch die Industriegeschichte. Lobenswert sind die vielen historischen Erläuterungen entlang des Weges. Daraus könnte man sicherlich noch mehr machen! Wer seinen Proviant selbst mitbringt, findet entlang des Weges (z. B. an der Ronsdorfer Talsperre oder im Wald kurz hinter dem Ortteilhinter Höhe) schöne Orte und Bänke zum Ausruhen. Einkehren kann man im Zillertal. Schön ist es dort sicherlich. Ob es dort auch gut ist, können wir leider aus eigener Erfahrung nicht sagen. Dafür aber noch ein Tipp für Kuchenfreunde:  Auf der Rückfahrt Richtung Düsseldorf kommt man in Wuppertal-Cronenberg an der Kreuzung Hastener Straße/Hauptstraße (fast) am Café und Konditorei Podzelny vorbei. Hier lohnt sich ein Besuch in jedem Fall!

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