10 Tage Israel: Zwischen Tradition und Moderne

Jerusalem Altstadt

Israel ist ein kleines, aber vielgestaltiges Land. Vor einem Besuch sollte man gut überlegen, was man sehen möchte und was einen interessiert. Wir haben uns als Familie für die Metropolen Tel Aviv und Jerusalem (mit Exkurs nach Haifa) entschieden – vermutlich der Schwerpunkt vieler Israel-Reisen. Beide Städte (und auch Haifa) sind nicht weit voneinander entfernt und gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln verbunden (s. u.).

Landschaftlich ist diese Städteregion wenig beeindruckend. Die Umgebung von Tel Aviv ist flach und stark zersiedelt. Nach Jerusalem (auf 750 m Höhe) wird die Landschaft hügeliger. Es gibt bewaldete Flächen, aber aufgrund der hohen Siedlungs- und Verkehrsdichte findet man auch hier nur wenig reizvolle Natur. Die Attraktivität der Region resultiert eindeutig aus dem urbanen Leben des modernen Tel Aviv in Verbindung mit der historischen und kulturellen Bedeutung Jerusalems. Die gute Verkehrsanbindung bietet zahlreiche spannende Ausflugsmöglichkeiten. Man muss auch während der Reise den Ort nicht wechseln, sondern kann alles z. B. von Tel Aviv aus gut erreichen.

Wie kommt man hin?

Die Anreise erfolgt in der Regel über den Flughafen Ben Gurion, ca. 20 km von Stadtzentrum Tel Avivs entfernt. Von Düsseldorf aus gibt es keinen Direktflug nach Tel Aviv. Wir sind mit Lufthansa über Frankfurt bzw. München geflogen; das hat gut funktioniert (hat aber natürlich auch seinen Preis). Die Flugzeit beträgt (inkl. Umsteigezeit) ca. 5 Stunden, allerdings muss man mindesten noch 2 ½ Stunden für die Sicherheitskontrollen usw. dazurechnen. Wer örtlich etwas flexibler ist, findet mit Ryanair einen günstigen Direktflug von Karlsruhe/Baden-Baden nach Tel Aviv.

Wie kommt man unter?

Wir haben eine Ferienwohnung im Stadtzentrum Tel Avivs angemietet. Die Wohnung können wir uneingeschränkt weiterempfehlen (zu den Preisen in Israel s. u.). Die Buchung kann bequem und problemlos über das Internet (auf Englisch) abgewickelt werden.

Was kann man unternehmen?

Eine ganze Menge! Wir haben die (aus unserer Sicht wichtigsten Punkte) nach den Städten gegliedert.

Tel Aviv

Um es gleich vorweg zu sagen: Tel Aviv ist keine schöne Stadt. Es gibt sogar Kenner des Landes, die Tel Aviv ausdrücklich als hässlich bezeichnen. Es dominiert (nicht nur in den Außenbezirken, sondern auch im Bereich der Innenstadt) weitgehend uniforme Betonarchitektur der Nachkriegszeit, die mehr oder weniger nahtlos an die Gebäude im internationalen Stil anknüpfen (die „Weiße Stadt“), die 2003 von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt wurden (s. u.). Die meisten Häuser wirken ungepflegt, Fenster und Fassaden (auch die Vorgärten) weitgehend verwahrlost und verunstaltet durch technische Infrastruktur (Klimageräte an den Wänden, Fotovoltaikanlagen und Wassertanks auf den Dächern). Wer osteuropäische Städte aus der Sowjetära kennt, wird in Tel Aviv architektonisch Vergleichbares finden. Und trotzdem ist Tel Aviv eine attraktive Stadt. Das liegt vor allem an der Art, in der die Menschen den Beton beleben. Überall gibt es nette Läden, Cafés und Restaurants; überall begegnet man jungen Menschen, denen die Lebensfreude ins Gesicht geschrieben steht. Das steckt an. Vielleicht ist es der beste Weg, sich schlendernd (in jedem Fall entspannt und mit Geduld) Tel Aviv zu nähern, den Blick schweifen zu lassen und offen zu sein für den modern-trendigen Stil dieser Metropole.

Wer sich trotzdem einen kleinen Fahr- oder Ablaufplan zurechtlegen möchte, dem seien folgende Programmpunkte empfohlen:

  1. Bauhaus-Architektur: Tel Aviv rühmt sich, über das weltweit größte erhaltene Ensemble von Bauhaus-Gebäuden zu verfügen; etwa 4.000 Gebäude sollen es sein. Sie konzentrieren sich auf drei Gebiete in der Stadt: Rothschild Area (um den Rothschild-Boulevard), Dizengoff Area und Bialik Area. Beim „Bauhaus Center“ Tel Aviv (Dizengoff St 77) gibt es für NIS 45 eine Karte mit Einzeichnung der Bauhaus-Gebäude sowie ergänzenden Informationen zu besonderen Einzelbauten. Die meisten Gebäude in klaren geometrischen Formen und oft geschwungener Fassade und/oder geschwungenen Balkonen stammen aus den 1930er Jahren von jüdischen Architekten, die in den 1930er Jahren aus Europa vor den Nazis geflohen sind. Nur wenige dieser Architekten hatten konkrete biografische Beziehungen zum Bauhaus; die meisten standen eher in ideeller Verbindung und fanden hier für ihre Arbeit künstlerische Inspiration. Mit etwas Geduld (und der Karte) kann man sich die Bauhaus-Architektur in Tel Aviv gut auf eigene Faust erschließen. Die Bauhaus-Gebiete liegen kompakt und in enger Nachbarschaft in der Innenstadt von Tel Aviv
  2. Tel Aviv Museum of Art: Im (alten) Hauptgebäude befindet sich eine beeindruckende Sammlung zur (internationalen) Kunst des 20. Jahrhunderts. Von Monet über Picasso bis zu Pollock ist hier alles versammelt, was das Herz der Kunstinteressierten höherschlagen lässt. Vieles davon kann man natürlich auch andernorts sehen; insofern lohnt ein etwas intensiverer Blick gerade auch auf die moderne israelische Kunst, vorbildlich präsentiert im Neubau von Preston Scott Cohen.

Tel Avivs Ruf und Beliebtheit als liberale und lebendige Metropole gründet sich auch und nicht zuletzt auf eine große, differenzierte und dynamische Kneipen- und Clubszene. Die angesagtesten Hotspots kennen vermutlich nur die einheimischen Hipster. Als kleinen Einblick (auch für Menschen jenseits der 20 oder 30) empfehlen wir:

  1. Levontin 7: Ein kleiner Club mit täglichen Konzerten vor allem israelischer Indie-Künstler(innen). Das Programm ist über das Internet zugänglich – die Seite wird mit Google Chrome gut übersetzt; dann einfach die Bands/Künstler googeln und schauen, was einem gefällt). Tickets kann man vor Ort kaufen. Der Konzertsaal und Ticketverkauf öffnen zur angegebenen; die Konzerte beginnen ca. 30 min. später. – Wer etwas eher kommt, kann in der angegliederten Pizzeria des Clubs gute vegane Pizza essen; eine große Pizza kostet NIS 80 und reicht für drei Personen.
  2. Beit Haamudim: Kleiner, aber etablierter Jazz-Club, der ebenfalls täglich Konzerte anbietet. Das Monatsprogramm findet man auf der Facebook-Seite des Clubs. Tickets sind auch hier günstig. Allerdings sollte man ein paar Tage im Voraus (vor Ort) Sitzplätze reservieren, da der Club nur über sehr begrenzte Kapazitäten verfügt und die letzten Plätze an der Bar definitiv nicht die besten sind. Während des Konzerts werden Getränke und (vegane!) Speisen angeboten – sehr lecker und günstig.

Jaffa

Jaffa ist Tel Avivs historische Altstadt. Die Stadt war ursprünglich arabisch geprägt. Davon zeugt noch heute die Große Mahmudiya Moschee aus dem Jahr 1810. Jaffa verfügt über einige malerische Gassen und einen kleinen Park. Vom Hügel aus hat man eine schöne Aussicht auf die Großstadt Tel Aviv. Religionsgeschichtlich interessant ist in Jaffa das Haus von Simon dem Gerber. Petrus soll hier die Vision von den reinen und unreinen Tieren gehabt haben (Apg. 10, 9-16), die einen zentralen Ausgangs- und Wendepunkt für die weitere Verbreitung des Christentums darstellte.

Jaffa ist ein beliebtes Ausflugsziel auch für die Einheimischen. Man kann Jaffa gut zu Fuß über die Strandpromenade erreichen; alternativ fahren mehrere Buslinien dorthin (ca. 20 min.). Am Uhrenturm gibt es einen Stand der Touristen-Information, an dem man ein kostenloses Heft mit Stadtplan und Hinweisen auf Sehenswürdigkeiten erhält (Jaffa Audio Tours 2: The Old City and Jaffa Port Route). Zu Einkehrmöglichkeiten s. u.

Einkehrmöglichkeiten in Tel Aviv

Es ist nicht schwer, in Tel Aviv gut zu essen. Das Niveau der Restaurants und Cafés ist durchgehend hoch. Hier einige Empfehlungen aus eigener Erfahrung:

Giraffe: in der Nähe des Museums of Art): Das Restaurant bietet asiatische Küche in einer kreativen Interpretation. Die Gerichte sind lecker, interessant komponiert und gut gewürzt. Alles wird liebevoll angerichtet. Der Service arbeitet freundlich und effektiv. Zur Hauptessenzeit kann es voll und auch ein wenig laut werden; das trübt aber nicht die Stimmung, sondern macht den Ort lebendig.

Hapizza: Kleines Restaurant mit sehr leckeren Pizzen; kleiner Außenbereich, der etwas ungünstig an der Straße liegt.

The Old Man and the Sea (direkt am Hafen von Jaffa): Dieses Restaurant muss man erlebt haben. Wer hingeht, sollte auf jeden Fall richtig Hunger mitbringen. Das Konzept ist etwas gewöhnungsbedürftig: Sobald man Platz genommen hat, werden ungefragt ca. 20 Schälchen mit Salaten, Saucen und Brot gebracht. Das ist die Vorspeise oder Beilage, die für sich genommen schon völlig ausreicht, um satt zu werden, zumal laufend nachgelegt wird. Man muss auch nichts dazu bestellen, sondern kann es bei der Salatauswahl (und dem Krug mit Limonade, der ebenfalls ungefragt aufgetischt und nicht extra berechnet wird) belassen (für NIS 55 pro Person). Wer wirklich sehr großen (!) Hunger hat, kann noch Fisch oder Fleisch dazu bestellen. – Gemütlich ist es hier sicher nicht, aber auf jeden Fall lecker!

Hummus Kiki: Kleines Restaurant mit leckeren Salaten, Hummus und anderen (vor allem auch vegetarischen Gerichten).

Café Adraba: Gemütlich-entspanntes Eck-Café mit hervorragendem Kuchen (der allerdings auch seinen Preis hat). Der Service ist sehr freundlich.

Cafe Zorik: Kleines Restaurant, das vor allem leckere Snacks (Salate, Sandwichs, Hamburger usw.) anbietet. Man sitzt hier gemütlich, wenngleich an einigen Stellen etwas eng.

Jerusalem

Anreise

Von Tel Aviv aus fahren zwei Buslinien regelmäßig (tagsüber alle 10 min.) nach Jerusalem. Die Linie 405 startet an der Central Bus Station, die Linie 480 am Busbahnhof. Beide Busse fahren in Jerusalem (in ca. 50 min.) die Central Bus Station an. Von hier aus geht es (tagsüber alle 5 min.) mit der Straßenbahn weiter: zur Altstadt (in Richtung Heil Ha-Avir) bis Haltestelle Damascus Gate, in andere Richtung zum Mount Herzl (Endhaltestelle – von hier aus Fußweg zur Gedenkstätte Yad Vashem s. u.).

Altstadt

Die Hauptattraktion in Jerusalem ist die Altstadt (Anreise s. o.) und hier vor allem der Tempelberg und die Grabeskirche.

Der Zugang zum Tempelberg (innerhalb der Altstadt ausgeschildert: Tempel Mount) ist für Touristen (Nichtmuslime) strikt reglementiert. Man erreicht den Tempelberg nur zu begrenzten Öffnungszeiten (im Sommer Mo bis Do 8.30 – 11.30 und 13.30 – 14.30) durch eine Sicherheitsschleuse (am Dungtor/Dung Gate) über eine hölzerne Rampe. Dort können sich durchaus längere Warteschlangen bilden (20 min.); ein Eintritt wird nicht erhoben. Von der Rampe aus hat man einen guten Blick auf die Westmauer des ehemaligen jüdischen Tempels („Klagemauer“); der (zweite) Tempel wurde 70 n. Chr. von den Römern zerstört. Viele Juden beten hier. Ob die Juden auch den Tempelberg selbst besuchen und hier beten dürfen, ist unter jüdischen Gelehrten umstritten.

Auf dem Tempelberg (Karte), den man über das Maghrebiner Tor (Bab el-Maghariba)  betritt, sind vor allem die AlAqsa-Moschee (aus dem 8. Jh. – gleich hinter dem Tor rechts) und der Felsendom (mit der goldenen Kuppel; aus dem 7. Jh.; von hier aus soll Mohammed mit einer Leiter in den Himmel gestiegen und auf diesem Weg allen biblischen Propheten einschließlich Jesus begegnet sein) sehenswert. Beide Gebäude sind (für Nichtmuslime) nur von außen zu besichtigen. Der Besuch lohnt trotzdem. Der Tempelberg hat eine wunderbare Atmosphäre. An ruhigen Tagen (die glücklicherweise überwiegen) kann man sich kaum vorstellen, dass es an diesem spirituellen Ort regelmäßig zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen religiösen Gruppierungen um den Anspruch auf Jerusalem und den Zugang zu den Heiligtümern kommt. Man kann den Tempelberg durch mehrere Tore zur Altstadt hin (ohne weitere Kontrollen) wieder verlassen.

Die Grabeskirche ist wie der Tempelberg von allen Orten der Altstadt aus ausgeschildert (Church of the Holy Sepulchre). Die Kirche (in der heutigen Form aus dem 11. Jh.) ist ganztägig geöffnet; der Eintritt ist frei. Direkt hinter dem Eingang führt rechts eine Steintreppe erst zur Kreuzannagelungs-Kapelle, dann zur eigentlichen Kreuzigungskapelle über dem Felsen Golgatha. Das Grab (vom Eingang aus links) ist von einer wuchtigen Kapelle aus dem frühen 19. Jahrhundert überwölbt. In der kleinen Grabkammer können sich immer nur wenige Personen gleichzeitig aufhalten. Man muss deshalb mit einer kleineren Wartezeit (ca. 20 min.) rechnen.

Nach dem Besuch der Hauptattraktionen sollte man sich Zeit nehmen für einen Bummel durch die Altstadtgassen. Hier wird an unzähligen Ständen Schönes und weniger Schönes angeboten: religiöse Devotionalien, Nippes, Textilien, Obst, Gemüse und Backwaren. Einfache Einkehrmöglichkeiten gibt es zuhauf (vor allem für eine schnelle und günstige Brottasche mit Falafel und Salat). Wer es etwas ruhiger mag, dem sei das kleine Café „Al Mufti“ in der Nähe des Damaskustors empfohlen. Hier gibt es guten Kaffee und leckeres Gebäck.

Außerhalb des Altstadttrubels, aber noch in der näheren Umgebung können wir zwei Einkehrmöglichkeiten empfehlen (mit der Straßenbahn eine Station in Richtung Busbahnhof/Mt. Herzl bis „City Hall“):

  1. Cafe Sira: Schönes Café mit leckerem Kuchen. Das Café ist gemütlich und entspannt, der Service sehr freundlich.
  2. Restaurant Village Green: Hier gibt es leckere vegane Gerichte zu einem angemessenen Preis. Das Büffet-Konzept bietet jedem die Möglichkeit, das Essen nach seinen individuellen Wünschen zusammenzustellen. Darüber hinaus vermeidet es lange Wartezeiten. Einziger Nachteil: Einige Gerichte vom Gemüse-Büffet sind etwas verkocht und schon leicht kalt, bis man bezahlt hat und am Tisch sitzt.

Für den Besuch der Jerusalemer Altstadt sollte man einen ganzen Tag einplanen. Mindestens zwei weitere Tage sind notwendig, um auch die wichtigsten anderen Sehenswürdigkeiten zu besuchen.

Ölberg

Ein Besuch auf dem Ölberg lohnt sich allein schon wegen des Ausblicks. Man erreicht dem Ölberg mit den palästinensischen Buslinien 255 und 275 ab dem Sultan Sulliman Bus-Terminal; der Busbahnhof liegt etwa 100 m vom Damaskustor entfernt in Fahrtrichtung der Straßenbahn auf der linken Seite. Man bezahlt den Bus direkt beim Fahrer (NIS 5 bis Mount of Olives); die Rav-Kav-Karte (s. u.) gilt hier nicht.

Auf dem Ölberg, etwa 1 km von der Aussichtsplattform entfernt, liegt (auf der Buslinie 275 vor Erreichen des Ölbergs) das Auguste-Viktoria-Hospital. Hier werden mit internationaler Unterstützung palästinensische Patientinnen und Patienten behandelt. Das Krankenhaus verfügt über ein schönes Gartencafé (vom Eingang des Krankenhauskomplexes aus ausgeschildert) mit leckeren Tagesgerichten (Suppen/Salate), Kaffee und Kuchen. Die Mitarbeiterinnen sprechen deutsch und geben bei Bedarf gerne Hinweise zum Weg und zu den Sehenswürdigkeiten vor Ort. Geht man vom Hospital den Weg zur Aussichtsplattform zu Fuß, kommt man an der Paternosterkirche vorbei (geöffnet Mo-Sa 8-12 u. 14-17 Uhr; Eintritt NIS 10). Hier soll Jesus den Jüngern das Vaterunser diktiert haben. Im schönen Innenhof der Kirche ist das Gebet auf Keramiktafeln in 80 Sprachen angeschlagen.

Von der Aussichtsplattform auf dem Ölberg kann man zu Fuß zur Altstadt zurückgehen. Man folgt der Ausschilderung „Tombs of the Prophets“ auf einer Treppe/Gasse talwärts. Am Fuß des Ölbergs trifft man auf den schön angelegten Garten Gethsemane mit alten Olivenbäumen. Jesus verbrachte hier (vielleicht unter den heute noch stehenden Bäumen) mit seinen Jüngern die letzten Stunden vor seiner Gefangennahme. Schräg gegenüber dem Garten befindet sich die Kirche (aus dem 12. Jh.) mit dem Grab Marias.

Yad Vashem

Wenn man in Israel Urlaub macht, sollte man auch Yad Vashem besuchen – die größte Gedenkstätte an den Holocaust. Der Staat Israel (und auch die Politik Israels) ist ohne den Holocaust nicht zu verstehen; das gleiche gilt bis heute (und sicherlich auf Dauer) für das Verhältnis Deutschlands zu Israel. Yad Vashem ist leicht vom Jerusalemer Busbahnhof aus (in 15 min.) mit der Straßenbahn zu erreichen. Man steigt an der Endhaltestelle Mt. Herzl aus und folgt einem Fußweg in 10 min. zur Gedenkstätte.

Die große Dauerausstellung, für deren Besuch man zwei bis drei Stunden einplanen sollte, setzt mit der Entstehung des Antisemitismus im Mittelalter ein und erläutert die rassistische Zuspitzung dieses Antisemitismus seit Ende des 19. Jahrhunderts. Im Mittelpunkt steht die Verfolgungspolitik des Nationalsozialismus. Dabei beleuchtet die Ausstellung nicht nur und nicht einmal in erster Linie die Situation in Deutschland, sondern widmet sich der Judenverfolgung in allen Orten und Regionen Europas, die im Zweiten Weltkrieg von Deutschland besetzt waren. Man sollte sich die Zeit nehmen, um die Dimension des Völkermords zu erkennen. In der „Halle der Namen“ wird an jedes einzelne Opfer des Nationalsozialismus erinnert; man kann an PCs im digitalen Archiv nach biografischen Informationen recherchieren. – Vom Ausgang des Museums aus erreicht man zunächst die Gedenkhalle, die regelmäßig auch von Staatsgästen besucht wird. Ein Weg, der oberhalb des Museums verläuft, führt zur Kindergedenkstätte, in der ein Tonband laufend die Namen der im Nationalsozialismus ermordeten Kinder verliest; die Innengestaltung aus gespiegelten Kerzenlichtern ist eindrucksvoll und berührend. – Am Ende des Rundgangs durch Yad Vashem empfindet man es fast als ein Wunder, dass Deutsche heute in Israel freundlich aufgenommen werden. Man versteht, dass der jüdische Staat darauf bedacht ist, dass Juden nie wieder in die Rolle von Opfern gedrängt werden.

Bethlehem

Ein Besuch in Bethlehem gehört eigentlich zu jeder Israel-Reise dazu. Die Geburtsstadt Jesu liegt nur gut 10 km von Jerusalem entfernt im Westjordanland, das von den Palästinensern kontrolliert wird. Die Umgebung der Geburtskirche wirkt manchmal ein wenig deprimierend. Hier zeigt sich doch eine deutliche Diskrepanz zum reichen Israel: Straßen und Gebäude sind weniger gepflegt, Geschäfte und Restaurants nicht unbedingt immer einladend. – Die Geburtskirche selbst (aus dem 5. Jh.) beeindruckt schon von außen durch ihre festungsartige Form. Das Innere ist prächtig (neuzeitlich) ausgestattet, wirkt aber vor allem in der Umgebung der Geburtshöhle etwas überladen. Die Aura des Ortes erschließt sich vor allem für gläubige Christen. Diese sind gerne auch bereit, die langen Warteschlangen an der (zugangsregulierten) Geburtsgrotte, dem vermutlichen Ort der Geburt Jesus, zu erdulden; man steht hier durchaus eine halbe bis dreiviertel Stunde in dichtem Gedränge an.

In der Nähe der Geburtskirche (Manger Square) gibt es zahlreiche einfache Einkehrmöglichkeiten. Falafel und Salat im Fladenbrot gibt es günstig für ca. NIS 10.

Die Anreise nach Bethlehem ist – auch für Individualreisende – nicht sehr kompliziert, aber zeitaufwändig (unbedingt Reisepass und eingelegtes „Visum“ mitnehmen s. u., weil es für den Rückweg nach Jerusalem benötigt wird): Die Anreise führt zunächst bis zum Damakustor in Jerusalem (s. o.). Hier steigt man aus der Straßenbahn und hält sich rechts in Richtung der Busse. In der Reihe der palästinensischen Busse wählt man die Nummer 324. Man muss bei Fahrer zahlen (NIS 5 pro Person); die Rav-Kav-Karte (s. u.) gilt hier nicht. Der Bus bringt einen bis zum Checkpoint 300. Hier findet für Fußgänger auf dem Hinweg nach Bethlehem keine Kontrolle statt. Durch einen Ausgang (Exit) mit eisernem Drehkreuz verlässt man den Checkpoint (Bethlehem ist am Ausgang bereits angeschlagen). Hinter dem Checkpoint erwarten einen bereits die recht aufdringlichen Taxifahrer, um einen in die Altstadt von Bethlehem zu bringen. Mit Google Maps findet man den Weg (ca. 2 km) auch zu Fuß. Der Weg ist allerdings unschön (tw. ohne Bürgersteig an der Straße entlang). Für ein Taxi bis zur Geburtskirche werden ca. 50 NIS fällig. Der Preis sollte vorab verhandelt und vereinbart werden. Auf der Rückfahrt/Rückweg muss man (vom Taxihalteplatz in Richtung rechts über die Fußgängerrampe) die israelische Sicherheits- und Einreisekontrolle passieren. Das Ganze (Durchleuchtung des Rucksacks, anschließend Passklontrollle) verläuft unproblematisch (übrigens auch wenn Israel den Checkpoint an jüdischen Festtagen für Palästinenser geschlossen hat). Man bekommt allerdings einen Eindruck, wie lästig und bisweilen auch demütigend dieses Prozedere für die in Israel arbeitenden Palästinenser sein muss.

Haifa

Angeblich ist Haifa die schönste Stadt Israels. Das können wir nicht bestätigen. Ein Tagesausflug ist trotzdem (wenn man Zeit hat) lohnend. Man von Tel Aviv aus gut mit der Bahn anreisen (Bahnlinie 50, Fahrzeit ca. 1 Stunde). Hauptsehenswürdigkeit sind die terassenförmig zum Carmel-Berg ansteigenden Baha’i Gärten. Wir haben es (wie vermutlich die meisten Tagestouristen) nicht geschafft, so früh vor Ort zu sein, dass die inneren Gärten noch geöffnet hatten. Die inneren Gärten und der Schrein des Bab schließen bereits um 12 Uhr. Danach kann man nur noch kleine Teile der schönen und sehr gepflegten Gartenanlage besichtigen. – Wie in Tel Aviv gibt es auch in Haifa einige Beispiele der Bauhaus-Architektur. Sehenswerte Häuser liegen im Carmel-Viertel auf dem Berg. Von hier aus (Louis Promenade, oberes Ende der Gartenanlage) hat man auch einen schönen Blick über die Stadt.

Bei der Touristeninformation (Sderot Ben Gurion 48) erhält man kostenlos einen Stadtplan und eine informative Broschüre (I Love Haifa) mit Hinweisen auf Sehenswürdigkeiten und Vorschlägen für Stadtrundgänge.

Einkehrvorschläge:

  1. Restaurant Fattoush, ganz in der Nähe der Touristeninformation: Hier gibt es kreative libanesische Küche, sehr lecker und durchaus preiswert. Besonders schön sitzt man draußen im großen Garten.
  2. Cafe HaPina: Eher unscheinbar in einem Wohngebiet gelegen. Das nett eingerichtete Café bietet in entspannter Atmosphäre leckeren Kaffee, Milchshakes und hausgemachten Kuchen.

Praktische Hinweise

Einreise

Sie ist sehr einfach – ein Reisepass (der noch mind. 6 Monate gültig ist) reicht aus. Bei Einreise erhält man eine Art „Visum“, das lose in den Pass eingelegt wird (also kein Stempel); man muss dieses Visum bis zur Ausreise behalten. – Die Sicherheitskontrollen bei der Ein- und Ausreise sind etwas ausführlicher als bei Reise innerhalb von Europa, aber sie sind unkompliziert und frei von Schikanen.

Fortbewegung im Land

Wir haben alle Fahrten mit öffentlichen Verkehrsmitteln unternommen. Mietwagen sind in den Ballungsregionen nur etwas für geübte und stressresistente Fahrer. Israel verfügt über ein gut ausgebautes Busnetz. Um die Busse (und auch die Eisenbahn) nutzen zu können, benötigt man zwingend eine sogenannte Rav-Kav-Karte, eine elektronische Chipkarte, die landesweit gültig ist. Am Besten besorgt man sich diese Karte gleich bei Ankunft am Flughafen Ben Gurion [am Automaten beim Public Transport Information Center links vom Ausgang 01 auf Level G (round) im Terminal 3]. Die anonyme Rav-Kav-Karte kostet NIS 5 und kann an Automaten mit Tickets aufgeladen werden. Noch bequemer geht es über die App Rav-Kav online. Die Karte wird über NFC (ggf. am Handy aktivieren!) eingelesen; Tickets werden über die Kreditkarte bezahlt. Dazu hinterlegt man in der App einmal die Daten der Karte, die dann bei jedem weiteren Kauf erneut verwendet werden können. Bei den Kreditkartendaten wird unter anderem die ID abgefragt. Da man als Tourist nicht über eine israelische ID verfügt, kann man hier einfach die 8-stellige Nummer unter der Rubrik „Passport“ auf dem „Visum“ verwenden. Die App funktioniert auf Englisch. – Wir haben fast immer Tagestickets (Daily Pass) auf die Karte aufgebucht. Die wichtigsten dieser Daily Passes sind:

  1. Tel Aviv area (13,50 NIS): Reicht für das gesamte Stadtgebiet von Tel Aviv, nicht aber für Fahrten zum Flughafen; hierfür benötigt man Tel Aviv area extended (21,50 NIS).
  2. Inclusive Jerusalem + center (32,50 NIS): für Fahrten zwischen Tel Aviv und Jerusalem. Das Ticket gilt auch für Fahrten innerhalb der beiden Städte.
  3. Inclusive Haifa south + Tel Aviv Metropolitan Area (40 NIS): für Fahrten zwischen Tel Aviv und Haifa. Das Ticket gilt auch für Fahrten innerhalb der beiden Städte.

Die Rav-Kav-Karte wird immer bei Betreten eines Busses (auch beim Umsteigen und am Eingang von Bahnhöfen) vor ein Lesegerät gehalten (das dann grün leuchtet). Die Tagestickets funktionieren wie Verbundfahrscheine und ermöglich die Kombination von Zug und Bus und beliebig häufiges Umsteigen; Hin- und Rückfahrt sind ebenso abgedeckt wie beliebig viele Fahrten innerhalb eines Stadtgebiets bzw. innerhalb mehrerer Stadtgebiete.

Etwa schwierig ist gelegentlich das Auffinden der richtigen Buslinien und Haltestellen zum Umsteigen. Beschriftungen und Ansagen gibt es oft nur auf Hebräisch. Eine zentrale App für den ÖPNV in englischer oder deutscher Sprache gibt es leider (noch) nicht. Eine gute Alternative ist die Navigationsfunktion von Google Maps (vorher Offline-Karten herunterladen!; ein Internetzugang ist trotzdem notwendig, mehr dazu s. u.). Allerdings sollte man bei den Routenvorschlägen großzügige Umsteigezeiten einplanen, da die Busse in der Regel länger brauchen, als Google annimmt.

E-Scooter in Tel Aviv
In Tel Aviv erfreuen sich aktuell E-Scooter großer Beliebtheit. Man kann die elektrischen Roller, die überall im Stadtgebiet verteilt stehen, mit Hilfe einer App minutenweise ausleihen. Sehr schön ist, dass man einen Roller einfach nutzen und nach erfolgter Nutzung an beliebiger Stelle wieder abstellen kann. Wir haben das Angebot der Firma „Bird“ genutzt. Auch hier braucht man die App mit hinterlegter Kreditkarte. Mobiles Internet (s. u.) ist ebenfalls zwingende Voraussetzung. Die Roller kosten NIS 5 Grundgebühr und 0,5 NIS pro Minute. Roller-Standorte werden in der App auf einer Karte angezeigt.

Geld und Preise: Man sollte in Israel über eine Kreditkarte verfügen. Mit der Karte kann man (mit Geheimzahl) an Automaten problemlos Geld abheben und vor allem überall bezahlen (in Restaurants in der Regel ohne Unterschrift und Geheimzahl – etwas ungewohnt für uns). – Das Preisniveau in Isarel und vor allem in Tel Aviv ist hoch. Das merkt man schon bei Buchung der Unterkunft. Für Lebensmittel und Restaurantbesuche sollte man gegenüber den deutschen Preisen mit einem 30-prozentigen Aufschlag kalkulieren. Günstig ist der öffentliche Nahverkehr (ca. 40% günstiger als in Deutschland).

Handy-Nutzung: Mobiles Telefonieren und vor allem Surfen in Israel ist mit einem deutschen Handy-Vertrag sehr teuer. Da man das Handy in Israel dauernd braucht, sollte man sich vor Ort eine israelische SIM-Karte kaufen. Das geht in jedem Handy-Shop (prepaid SIM-Card). Die Preise scheinen für touristische Bedürfnisse einigermaßen standardisiert zu sein. Über 012.mobile (Partner-Netz) erhält man eine SIM-Karte für NIS 100. Mit dieser Karte kann man 30 Tag im Umfang von 20 GB surfen; das ist mehr als man braucht. Hilfreich ist, dass die Mitarbeiter vor Ort die Karte auch direkt ins eigene Handy einbauen und anmelden. Man benötigt hierzu keine Registrierung/Ausweis o. ä. – Unsere Erfahrung ist, dass ohne mobiles Internet in Israel wenig funktioniert (auch nicht die Navigation über Google Maps!). Zwar gibt es an vielen Stellen WIFI-Hotsports (theoretisch sogar in Bussen), aber diese sind meist überlastets, langsam und störanfällig. Trotz High-Tech-Booms in Israel unterscheidet sich die WIFI-Situation nicht nennenswert von der in Deutschland.

Literaturempfehlungen: Reiseführer und Hintergrundinformationen

Wir sind sehr gut zurecht gekommen mit dem Reiseführer von Burghard Bock: Israel und Palästina. 6. Aufl.: Reise Know-How Verlag 2018. Die Informationen waren durchgehend hilfreich, aktuell verlässlich. Der Reiseführer enthält neben ausführlichen Beschreibungen der Sehenswürdigkeiten (eigene Kapitel zu Tel Aviv und Jerusalem) auch eine gute Einleitung zur Geschichte des Staates Israel und viele praktische Hinweise.

Neben einem Reiseführer lohnt die Lektüre von Richard C. Schneider: Alltag im Ausnahmezustand. Mein Blick auf Israel. München: Deutsche Verlags-Anstalt 2018. – Der langjährige Leiter und Chefkorrespondent des ARD-Studios Tel Aviv, der heute selbst in Jaffa lebt, beschreibt in seinem Buch sehr anschaulich die politischen, religiösen und gesellschaftlichen Konfliktlinien in Israel; lesenswert vor allem das Kapitel: „Das säkulare Tel Aviv gegen das orthodoxe Jerusalem“ (S. 101 -125).

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