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Zwei Wochen Sommerurlaub am Golf von Porto auf Korsika

Diesen Sommer sind wir an den Golf von Porto an der wildromantischen Westküste Korsikas, etwa 80 km nördlich der Hauptstadt Ajaccio, gereist.

Im letzten Sommer haben wir uns die Schlösser an der Loire angesehen. Die Kinder haben uns dafür gehasst. Als Wiedergutmachung durften sie in diesem Jahr das Urlaubsziel vorschlagen und haben sich für Korsika ausgesprochen. Und so sind wir in diesem August für zwei Wochen an den Golf von Porto an der Westküste der Insel, etwa 80 km nördlich der Hauptstadt Ajaccio, gereist.

Wie kommt man hin?

Wir haben uns für die Überfahrt mit der Fähre entschieden. Flüge aus Deutschland gehen oft nur nach Bastia im Norden Korsikas, so dass die Anfahrt mit einem Leihwagen aufwändig wäre. Auch liegen die Flüge zeitlich nicht immer günstig und sind im Sommer (bei 4 Personen)  nicht unbedingt preiswert. Mit der Fähre (Corsica Ferries) kann man von Frankreich und Italien aus übersetzen. Wir haben den Weg über die südfranzösische Hafenstadt Toulon gewählt. Hier kann man im Hotel Ibis Styles Centre Port gut und günstig im Familienzimmer übernachten (ca. 130 Euro inkl. Frühstück), um dann am nächsten Morgen die Fähre zu nehmen. Das Hotel kann man übers Internet buchen, ebenso wie die Fähre über die internationale Homepage (Hin- und Rückfahrt mit Auto und 4 Personen für ca. 900 Euro in der Hauptsaison). Von Ajaccio erreicht man Porto (über kurvige Bergstraßen) in gut zwei Stunden Autofahrt.

Wo kommt man unter und wie kann man sich versorgen?

Im Golf von Porto gibt es eine Reihe von Hotels, Appartements und Campingplätze. In der Hauptsaison sollte man dennoch frühzeitig buchen, denn das Angebot an Unterkünften ist bei weitem nicht so breit ausgebaut wie z. B. an weiten Teilen der französischen Festlandküste. Überdies gibt es viele Stammgäste, die ihr Unterkunft regelmäßig weit im Voraus vorbuchen. Wir verbrachten unseren Urlaub in einer Ferienwohnung innerhalb einer kleineren, familiär geführten Ferienanlage ca. 5 km nördlich von Porto.

Die sogenannten Mini-Villen für 4 Personen waren sauber und funktional eingerichtet; vor allem verfügten die zwei Schlafräume über Klimaanlagen und die Anlage über einen Swimmingpool. Darüber hinaus wurden Baguettes und Croissants jeden Morgen von einem Lieferservice gebracht, ansonsten musste man sich selbst versorgen. In Porto stehen dafür zwei Supermärkte (Spar/Casino und Carrefour) zur Verfügung, die im Sommer täglich (auch sonntags) von 8 bis 20 Uhr geöffnet haben und in der Regel über ausreichend Parkmöglichkeiten verfügen. Das Angebot ist im Prinzip in Ordnung; leichte Einschränkungen gibt es bei frischem Obst und Gemüse. Das Preisniveau liegt etwa 15 bis 20 % über dem in Deutschland (bzw. auf dem französischen Festland).

Wer sich nicht für eine Ferienwohnung (oder einen Campingurlub), sondern für die Unterbringung im Hotel entscheidet, sollte wissen, dass die Restaurants in und um Porto herum ziemlich teuer sind. Wer kein Pauschalangebot gebucht hat, sollte am Abend pro Person (inkl. Getränke) ca. 40 bis 50 Euro kalkulieren. Mittags ist es günstiger, allerdings gibt es nur wenige Angebot mit einfacher und günstiger Küche. Selbst die Snack-Bars am Strand verstehen sich eher als Restaurants und kommen mit entsprechenden Preisen daher. Als Selbstversorger spart man hier erheblich. Wir haben als Familie (2 Erwachsene, 2 Jugendliche) pro Tag etwa 40 Euro (inkl. Getränke, Süßigkeiten usw.) im Supermarkt ausgegeben.

Was kann man unternehmen?

Der Golf von Porto zählt zum Weltnaturerbe – zu Recht. Ich kenne kaum eine Region, in der man eine mediterrane Küstenlandschaft noch so unbeeinträchtigt erlebten kann. Grüne Hügel und wildromantische Felsen ragen weit ins Mehr und umrahmen viele kleine Buchten mit Stränden zum Baden. Die Landschaft ist nicht (wie leider oft an der Côte d’Azur) mit Villen, großen Hotelanlagen und Gewerbebetrieben zersiedelt, sondern bietet noch über weite Strecken das Bild unberührter Natur.

Am Besten erschließt sich die spektakuläre Natur zu Fuß. Der Golf von Porto verfügt über ein dichtes Netz gut ausgebauter und markierter Wanderwege. Einen Führer (französisch oder englisch) erhält man für drei Euro an der Touristeninformation in Porto. Die Wege sind unterschiedlich anspruchsvoll. Sie verlaufen an der Küste und im Hinterland. Hier eine kleine Auswahl besonders reizvoller Wanderungen:

  • Wanderung zum Capu Rossu: Die Wanderung (7 km, ca. 4 Stunden) ist ein absolutes Highlight (und deshalb auch in jedem Wanderführer beschrieben). Sie startet an einer Snackbar ca. 6 km hinter Piana an der D824 Richtung Arone. Von Piana kommend, zweigt der beschilderte Weg vor dem Parkplatz rechts ab. Man steigt zunächst für längere Zeit leicht ab bis zu einer Senke, dann erfolgt der steile Aufstieg über Felsen zum Thurghiu-Turm. Von oben hat man einen phänomenalen Ausblick auf die gesamte Bucht von Porto.
  • Wanderung durch die Spelunca-Schlucht: Die schattige Wanderung (ca. 5 km, ca. 2 1/2 Stunden) beginnt einen Kilometer hinter Ota an den zwei Brücken auf der D124. Der Weg zweigt hinter der zweiten Brücke links ab und ist beschildert. Über Felstreppen geht es in gemäßigtem Aufstieg bis zur historischen Zaglia-Brücke und von dort wieder auf dem gleichen Weg zurück. Am Beginn des Wegs und in der Nähe der Brücke gibt es schöne Badegelegenheiten am Fluss.
  • Vom Col de la Croix nach Girolata: Die Wanderung (ca. 10 km, ca. 4 ½  Stunden) beginnt am Parkplatz „Bocca a Croce“ an der Küstenstraße D 81, etwa 20 km nördlich von Porto. Im Sommer sollte man früh anreisen, weil sich der Parkplatz schon am Vormittag rasch füllt. Der Weg führt zunächst durch den Wald bergabwärts zum Strand „Tuara“, der nur zu Fuß zu erreichen ist. Hier kann man wunderbar und weitgehend ungestört baden. Vom Strand „Tuara“ geht es (mit schönen Aussichten) über Felsen an der Küste zunächst steil bergauf und dann wieder bergab zum Küstendorf Girolata. Das Dorf ist nur zu Fuß oder mit dem Boot zu erreichen. Touristen kommen mit den Ausflugsbooten. Trotzdem wirkt Girolata mit dem genuesischen Fort nicht überlaufen, sondern liegt malerisch ruhig an der Küste. Unser Einkehrtipp: das Cafe Gobi, wo man entspannt im Garten ein Eis essen oder einen Kaffee trinken kann. Nebenan gibt es übrigens auch einen kleinen Laden, in dem man z. B. im Sommer seine Wasservorräte wieder auffüllen kann.

Am Beginn der Wanderwege stehen in der Regel (kostenlose) Parkmöglichkeiten zur Verfügung. Bei einigen beliebten Wanderungen (v. a. Girolata) empfiehlt es sich aber (in der Hochsaison), etwas früher aufzustehen und zeitig zu starten. Man sollte auch die Fahrzeiten bedenken. Selbst auf den Hauptverkehrsstraßen legt man pro Stunde kaum mehr als 40 km zurück.

Viele Wanderwege führen zu Badebuchten; die größeren Buchten (Porto, Bussaglia, Caspiu) kann man meist auch direkt mit dem Auto erreichen. Hier sind die (in der Regel kostenlosen) Parkplätze oft ausreichend groß dimensioniert. Bei den Stränden handelt es sich um (oft steil abfallende) Kiesstrände, malerisch eingerahmt von der beeindruckenden Naturkulisse. Oft gibt es (ein oder mehrere) Strandrestaurants (s. o. – keine Pommesbuden wie bei uns, aber immerhin mit dem Angebot von Fertig-Eis aus der Truhe).

Ein Erlebnis, das man sich nicht entgehen lassen sollte, ist eine Bootstour durch den Golf. In Porto gibt es Dutzende von Anbietern; die Angebote und Preise sind einigermaßen einheitlich. Wir haben uns für eine Tour mit Via Mare entlang der Calanche (Felsküste) bei Piana entschieden. Die Tour (1 ½ Stunden, 27 Euro pro Person) war sehr schön, die Erläuterungen allerdings nicht allzu informativ (und nur in französischer Sprache), dafür aber launig (gelegentlich aber auch anzüglich). Ich würde die Tour mit Via Mare trotzdem empfehlen. Tickets für die Tour, die täglich zu verschiedenen Uhrzeiten angeboten wird, sollte man im Voraus vor Ort kaufen. Ein Tipp: Am frühen Abend ist die Calanche wegen des weichen Lichts besonders malerisch. Ergänzend zur Bootstour sollte man sich die Calanche in jedem Fall auch von der Küstenstraße zwischen Porto und Piana aus ansehen. Diese Straße ist definitiv ein Erlebnis (für stressresistente Autofahrer). Man kann an vielen Stellen in kleinen Buchten anhalten und die Ausblicke in die Landschaft genießen.

Zu welcher Jahreszeit sollte man reisen?

Nach unseren Erfahrungen ist der Hochsommer (Juli/August) eigentlich nicht die beste Reisezeit. Wie überall im Mittelmeerraum hat man im Sommer zwar weitgehend garantierten Sonnenschein. Allerdings muss man sich auch mit Temperaturen von gut 30 Grad rumschlagen, die in der Regel schon am Vormittag erreicht werden und bis in den späten Abend hinein anhalten. Lediglich im Hinterland ist es etwas kälter. Selbst für Strand- und Badeausflüge sind die Temperaturen (und die Sonneneinstrahlung) eigentlich zu hoch. Hinzu kommt, dass im Hochsommer nachmittags regelmäßig mit durchaus starken Gewittern zu rechnen ist, die eine Tagesplanung manchmal erheblich erschweren; am Abend wird man auf Terrasse und Balkon von Mücken geplagt.

Wer die Wahl hat und nicht an die Ferienzeit gebunden ist, sollte im Mai/Juni oder eventuell auch im September nach Korsika kommen. Die Temperaturen fallen mit etwa 25 Grad tagsüber erheblich moderater aus. Auch sind die Unterkünfte um einiges günstiger als in der Hauptsaison (die vor allem durch die französischen Schulferien definiert wird).

Was muss man mitnehmen?

  • Wenn man wandern will, in jedem Fall Wanderschuhe und Funktionskleidung (vor allem im Sommer). Wanderstöcke sind für die steilen Abstiege auf Schotterwegen vor allem für weniger geübte Wanderer zu empfehlen.
  • Strandmatten, einen mobilen Sonnenschirm und einen Grundvorrat an Sonnencreme, die auf der Insel ziemlich teuer ist.
  • Gute Bücher, Zeitschriften und Zeitungen. Deutsche Presseerzeugnisse (mit Ausnahme der Bild-Zeiotung) sind im Golf von Porto nicht einfach zu bekommen. Lediglich in Cargese haben wir eine Buchhandlung (Tabac Presse Cargèse, Rue de la République) gefunden, die ein kleineres Angebot deutscher Zeitungen (und ein großes Angebot an Reiseführern und Karten) vorhielt.
  • Eine Internet-Flatrate fürs Handy: WLAN ist dort, wo es angeboten wird, – nach unseren Erfahrungen – eher langsam, während mobiles Internet (zumindest an der Küste) eine durchaus akzeptable Geschwindigkeit erreicht. – Empfehlenswert ist es, sich vor dem Urlaub eine Korsika-Karte über Google Maps aufs Handy zu laden.

Korsikas Westküste – ein Fazit

Für Naturliebhaber lohnt ein Urlaub an Korsikas wildromantischer Westküste in jedem Fall. Der Golf von Porto ist ein Eldorado für Wanderer. In der Hitze des Hochsommers macht das Wandern auf den teilweise durchaus anspruchsvollen Wegen aber nicht immer Vergnügen. Dafür gibt es im Juli/August verlässliches Strandwetter. Wer auf das „große Kino“ mit Sandstrand, Sonnenliegen und Strandbars verzichten kann, findet in den kleinen Buchten am Golf von Porto viele schöne Orte zum (Sonnen-)Baden. Für kleine Kinder allerdings sind die meist steil abfallenden Kiesstrände nur bedingt geeignet.

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