Ruhrmuseum
Kultur Umgebung

Die Ausstellung „Rock und Pop im Pott“

Noch bis Ende Februar 2017 zeigt das Ruhrmuseum auf Zollverein in Essen eine Ausstellung für Nostalgiker: „Rock und Pop im Pott“, die einen Überblick über die Geschichte der populären Musik im Ruhrgebiet von den 1960er Jahren bis heute gibt. An einer Video-Station erleben wir Nena (The Stripes) unter Punk-Einfluss in der Plattenküche (moderiert von Helga Feddersen und Frank Zander); in einer Vitrine bestaunen wir eine Catering-Liste für Gianna Naninni und Band aus dem Jahr 1982 (u. a. fünf Flaschen Dom Perignon); und ein eigener Raum ist den Konzerthallen und Kneipen gewidmet, in denen teilweise über Jahrzehnte Musik im Ruhrgebiet präsentiert wurde. Wer die 1980er Jahre als Teenager im Ruhrgebiet erlebt hat, trifft im Ruhrmuseum auf viele alte Bekannte. Und schwelgt in Erinnerungen. Wir hören Grönemeyers Bochum und Flieger von Extrabreit, daneben ehemals Bekanntes und heute fast Vergessenes von Herne 3 oder Geiersturzflug (Immer wieder aufstehen und Bruttosozialprodukt gibt’s übrigens tatsächlich bei Google Play Music im Streaming).

Die Ausstellung ist chronologisch und systematisch aufgebaut, man beginnt den Rundgang im Uhrzeigersinn. Erzählt wird von den Anfängen des Rock’n‘Roll im Ruhrgebiet. Ich selbst komme aus Recklinghausen und habe nie gewusst, dass die Vestlandhalle in den 1960er Jahren ein Mekka der Beat-Fans war. Ich wusste auch nicht, dass die Rolling Stones und die Beatles 1965 und 1966 in Essen aufgetreten sind. Für die 1970er Jahre zeigt die Ausstellung ein breites Spektrum unterschiedlicher Musikrichtungen, vom Punk bis zur politisch inspirierten Liedermacherei. Als Berufs-Duisburger und Gitarrendilletant habe ich mich ganz besonders über die Dokumente aus den Anfängen von Peter Burschs Bröselmaschine gefreut. Die 1980er Jahre standen im Zeichen der Neuen Deutschen Welle, und es war für mich neu, wie viel das Ruhrgebiet zur Entwicklung dieser „Welle“ beigetragen hat (neben Nena). „Komm nach Hagen, werde Popstar!“ Die Ausstellung zeigt anhand vieler Platten, Plattencover, Schrift-, Bild- und Tondokumente, wie sich gerade in Zeiten der industriellen Krise vielfältige kreative Ansätze im Ruhrgebiet entwickelt haben; und bis heute noch entwickeln. So endet die Ausstellung mit einem Blick auf die elektronische Musik und die aktuelle DJ-Szene; Viele der Namen sind mir nicht mehr geläufig. Im Gedächtnis auf Dauer haften geblieben ist hingegen die Loveparade-Katastrophe von 2010. Auch sie hat ihren Platz in der Ausstellung, wo ein Filmdokument das skurrile Nebeneinander von rauschhaftem Musikerleben vor der Hauptbühne und tödlichem Gedränge an den Zuwegen zeigt.

Die Pop- und Rock-Ausstellung auf Zollverein gibt neben der Musikhistorie einen interessanten Einblick auch in die Mode- und Technikgeschichte. Ausgestellt sind exemplarisch die Outfits der unterschiedlichen Fangenerationen (vom schwarzen Anzug der frühen Beat-Generation über die Lederfransenjacke aus der Zeit des Flowerpower bis zu den Schnallenschuhen der Gothic-Anhänger); daneben Original-Instrumente verschiedener Generationen und einiges an Musiktechnik, die im Ruhrgebiet produziert wurde – so unter anderem Synthesizer und Verstärker der Firma Kemper aus meiner Heimatstadt Recklinghausen.

Jedem Musik-Interessierten kann ich die Ausstellung zur Rock- und Popgeschichte des Ruhrgebiets auf Zollverein sehr empfehlen. Die Ausstellung ist hervorragend recherchiert und präsentiert, sie richtet sich an eine Zielgruppe, die zumindest Teile der Musikgeschichte selbst miterlebt haben. Es ist deshalb vielleicht eher eine Ü40-Ausstellung, bei der man durchaus auch sentimental werden kann. Für begleitende Kinder ist das aber manchmal sicher etwas nervig.

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