Ein Kurzurlaub an der Untermosel bei Treis-Karden

Kaum ein Urlaubsgebiet ist von Düsseldorf so schnell zu erreichen wie das Moseltal. Nur ca. 150 km oder gut 1 ½ Stunden Autofahrt sind es von Düsseldorf bis an die Untermosel. Die Region eignet sich deshalb hervorragend für einen Kurzurlaub oder ein verlängertes Wochenende. Der Reiz der (Unter-)Mosel liegt dabei in der Verbindung von Natur, Kultur und Genuss. Die Weinberge und ausgedehnten Wälder (Eifel und Hunsrück) beiderseits des Flusses laden zu Wander- und Radtouren ein. Viele Burgen (oder Burgruinen) an den Hängen der Mosel kann man besichtigen und in den unzähligen Kellereien auch den ein oder anderen guten Tropfen Wein genießen. Unterkunftsmöglichkeiten (Hotels, Pensionen, Ferienwohnungen) gibt es zu Genüge. Wir haben uns für eine Ferienwohnung in Treis-Karden entschieden – einfach, günstig und gut (lediglich wegen der Nähe zur Bahnstrecke etwas laut). Treis-Karden ist sicherlich nicht der schönste Ort der Untermosel, bietet aber eine gute Infrastruktur (Supermärkte, Freibad usw.) und eignet sich aufgrund seiner Lage hervorragend als Ausgangspunkt für Ausflüge in die Umgebung. – Hier unsere Empfehlungen für einen sechstägigen Aufenthalt.

1. Tag : Anreise – Zwischenstopp in Bad Münstereifel

Bad Münstereifel

Die Fahrt durch die Eifel kann man mit einem interessanten Zwischenstopp verbinden. Wir haben einen kleinen Umweg über Bad Münstereifel gemacht – ein schönes kleines Städtchen mit vielen historischen Gebäuden. Sehenswert ist vor allem die Stiftskirche aus dem 12./13. Jahrhundert mit dem Hochgrab des Grafen Gottfried von Bergheim (†1335) und der Krypta mit dem Grab der Märtyrer Chrysanthus und Daria; daneben lohnt ein Gang über die Stadtmauer mit den noch erhaltenen Toren sowie der kurze Aufstieg zur Burg(ruine) aus dem 13. Jahrhundert. Beim Rundgang durch die Stadt sollte man vor allem auf das (rote) Rathaus (aus dem 15. Jahrhundert), das St. Michael-Gymnasium (im 17. Jh. Als Jesuitenschule erbaut) und einige schöne Fachwerkhäuser aus dem 17. Jh. (vor allem in der Orchheimer Straße) achten.

Tapferes Schneiderlein

Einkehrmöglichkeiten finden sich viele. Wir empfehlen das Café-Bistro „Tapferes Schneiderlein“ am Orchheimer Tor; hier gibt es im modernen Ambiente kleine, raffiniert zubereitete Snacks (vor allem leckere Salate und Panini). – Bad Münstereifel beherbergt übrigens seit 2014 ein City Outlet, weshalb vor den Toren der Stadt auch große Parkplätze zur Verfügung stehen. Für den Touristen, der nicht zum Shoppen kommt, wirkt das Outlet etwas irritierend, weil die klassische Einzelhandelsstruktur einer Kleinstadt durch die Marken-Shops weitgehend überdeckt und aufgelöst wurde. Die Dominanz des Kommerzes führt auch dazu, dass man zwar das Informationszentrum des Outlets in der Stadtmitte gut findet, nicht aber die Touristeninformation, die man eigentlich an dieser Stelle erwartet hätte. Bei aller Kritik aus historisch-touristischer Sicht: Das Outlet hat zweifellos dazu beigetragen, die Innenstadt von Bad Münstereifel (in der noch vor einigen Jahren die Hälfte der Geschäfte leer stand) lebendig und die Gebäude instand zu halten.

Burg Thurant

Burg Thurant2. Tag : Fahrradtour entlang der Mosel

Der erste Tag an der Mosel! Bei gutem Wetter kann man den (Kurz-)Urlaub mit einer Fahrradtour entlang des Flusses starten. Wenn man keine eigenen Räder mitgebracht hat, gibt es Fahrradverleiher in den meisten größeren Orten; in Treis-Karden z. B. (netter) Fahrradverleih Leister (Fahhräder 10 €, E-Bikes 24 € pro Tag). Radwege verlaufen beiderseits der Mosel, was schöne und abwechslungsreiche Rundtouren ermöglicht. Wir sind von Treis-Karden aus auf der Nordseite der Mosel bis nach Löf gefahren; dort haben wir den Fluss überquert. Einen kleinen Abstecher lohnt an dieser Stelle Burg Thurant oberhalb des Ortes Alken (Achtung: steiler und mit dem Fahrrad schweißtreibende Anfahrt über die Straße, kein Fahrradweg). Die um 1300 (von Pfalzgraf Heinrich aus dem Adelsgeschlecht der Welfen) erbaute Burg wurde im 16. und 17. Jh. stark zerstört und zu Beginn des 20. Jahrhunderts von dem Automobilunternehmer Robert Allmers in der heutigen Form wieder Aufgebaut. Für einen kleinen Eintritt (3,50 € für Erwachsene) kann man einen Rundgang durch die romantische Burganlage machen, inklusive Aufstieg auf den Kölner Turm, von dem aus man einen schönen Ausblick auf das Moseltal hat. Die Fahrradtour führt an der Südseite der Mosel am Wald entlang zurück nach Treis-Karden (Gesamtlänge der Tour ca. 30 km). Auf etwa der Hälfte des Weges gibt es in Burgen eine schöne Einkehrmöglichkeit im Café Belda mit hervorragenden Torten.

Burg Eltz

3. Tag : Wanderung nach Burg Eltz

Von Karden aus führt der Moselsteig in ca. 2 Stunden zur Burg. Der Weg ist gut beschildert; zur Orientierung hilft die (gerade neu erschienene) Wanderkarte „Ferienland Cochem“  vom Eifelverein. Zu Beginn des Wanderung muss man (über einen schmalen Weg) einen recht steilen Anstieg meistern, der Rest der Strecke verläuft dann über ausgebaute Feld- und Waldwege. Der Besuch der Burg ist nur im Rahmen einer Führung möglich (Eintritt 10 € für Erwachsene); diese Führung wird allerdings in dichter Folge (jetzt im Sommer ca. alle 15 Minuten) angeboten, ist sehr informativ und dauert etwa eine dreiviertel Stunde. Für den Rückweg kann man dem Moselsteig weiter folgen. Der Weg führt entlang des Elzbaches ins Tal nach Moselkern. Auf dem Weg kann man einen Zwischenstopp im Landgasthof Ringelsteiner Mühle einlegen und sich (falls man es auf Burg Eltz nicht schon getan hat) noch einmal mit Kaffee und Kuchen stärken. Von Moselkern aus bringt einen die Moseltalbahn im Stundentakt wieder zurück zum Ausgangspunkt nach Karden; Fahrkarten für ca. 3 Euro p. P. bekommt man einfach am Automaten auf dem Bahnsteig.

Koblenz4. Tag : Ausflug nach Koblenz

Wer mit dem Auto anreist (und nicht mit der langsamen Moseltalbahn), sollte in Koblenz möglichst direkt ein Parkhaus ansteuern (z. B. Löhr-Center); es gibt kaum kostenlose Parkmöglichkeiten (abgesehen von den beiden P+R-Parkplätzen beiderseits der Kurt-Schumacher-Brücke). In Koblenz lohnt ein Spaziergang durch die Altstadt (mit dem Rathaus im Gebäudekomplex des ehemaligen Jesuitekollegs aus dem 17. Jh.) und natürlich an den Rhein, wo am Zusammenfluss von Rhein und Mosel (Deutsches Eck) das monumentale Reiterdenkmal für Kaiser Wilhelm I. steht. – Vom Rheinufer aus kann man mit einer Seilbahn zur Festung Ehrenbreitstein auf der anderen Rheinseite fahren. Wir empfehlen eine Kombi-Karte für Seilbahn und die Festungsmuseen kaufen. Der Komplex Ehrenbreitstein wurde schon im Mittelalter als Burg angelegt; der Trierer Erzbischof ließ die Anlage im 16. Jh. zur Festung ausbauen; nach der Zerstörung am Ende des 18. Jahrhunderts wurde die Festung vom preußischen König Friedrich Wilhelm III. zu Beginn des 19. Jahrhunderts völlig neu in der heutigen Gestalt aufgebaut.

Deutsches Eck

In den Räumlichkeiten der Festung informiert eine interessante und gut animierte Ausstellung über die Geschichte der Festung; vom Oberen Schlosshof hat man einen schönen Ausblick auf Koblenz und das Deutsche Eck. – Zum Einkehren empfehlen wir das moderne „Essgeschäft“ in der Innenstadt (nahe dem Löhr-Center) mit wunderbarem Kuchen und kleinen Salaten (Achtung: Selbstbedienung, Bestellungen direkt an der Theke aufgeben). – Auf der Rückfahrt von Koblenz lohnt sich ein Zwischenhalt in Kobern-Gondorf: Vom schönen Marktplatz in Kobern aus kann man einen interessanten zweistündigen historischen Rundgang durch die Stadt (und zur Niederburg) machen; die einzelnen Stationen sind mit erläuternden Tafeln an den Gebäuden markiert.

Geierlay Brücke5. Tag : Besuch der Geierlay Brücke, der fast längsten Hängebrücke Deutschlands

Die Geierlaybrücke liegt im Hunsrück, ca. 15 km südlich von Treis-Karden nahe des Städtchens Mörsdorf. Man kann die Brücke nicht direkt anfahren, sondern muss in Mörsdorf parken. Die Parkplätze sind im kleinen Ort gut ausgeschildert. Man sollte gar nicht erst versuchen, irgendwo am Straßenrand zu parken, sondern direkt die ausgewiesenen Parkplätze (vor allem P2 und P3 am Ortsrand) anfahren. Die Parkplätze sind gebührenpflichtig, die Tarife maßvoll. Man zahlt bei Ankunft, für den geplanten Wanderweg sollte man 4 Euro (für 4 Stunden) kalkulieren. Natürlich kann man die Brücke auch direkt über einen Zuweg anlaufen. Schöner aber ist es, die Geierlay-Brücke in eine Wanderung (ca. 6 km) zu integrieren. Der (markierte) Wanderweg „Geierlay-Schleife“ (beginnend am Südrand des Dorfes an der Straße „Auf der Lex“) ist eine schöne Waldstrecke, mit Ab- und anschließenden Aufstiegen (Vorsicht: bei Nässe kann der Weg rutschig sein!). Die Wanderung führt sowohl durch das Tal unter der Brücke als auch (vorher oder nachher, je nach gewählter Wegrichtung) über die 2015 eröffnete 360 Meter lange Brücke selbst.

Beilstein

Das kleine Moselörtchen Beilstein

Für die Rückfahrt von Mörsdorf aus empfehlen wir einen Umweg über das kleine Moselörtchen Beilstein. Der kleine Ort (der 1310 von König Heinrich VII. das Stadtrecht erhielt) ist gewissermaßen der Inbegriff der Moselromantik und wurde deshalb auch vielfach als Filmkulisse genutzt. Sehenswert ist neben den vielen historischen Wohnhäusern (insbesondere an der Bachstraße) vor allem der Marktplatz mit dem Zehnthaus aus dem 16. Jahrhundert. Im Ort empfehlen wir die Einkehr im Café Klapperburg. Das liebevoll eingerichtete Café mit einer großen Sammlung an historischen Kaffeemühlen bietet leckere Torten in großer Auswahl! Beilstein war seit dem 17. Jahrhundert Lehen der Familie von Metternich, deren Burg(ruine) oberhalb der Stadt thront. Die Burg wurde spätestens im 13. Jh. errichtet und (wie viele Burgen) 1689 im Pfälzischen Erbfolgekrieg von den Franzosen zerstört. Der österreichische Staatskanzler und Fürst Klemens Wenzel Lothar von Metternich war der letzte Inhaber der Herrschaft Beilstein; von der Burg aus, die heute in Privatbesitz ist (kleiner Eintritt), hat man einen wunderbaren Blick auf Beilstein und das am anderen Moselufer liegende Ellenz-Poltersdorf.

Cochem

6. Tag: Besuch in Cochem – Pflichtprogramm für einen Urlaub an der Untermosel

Cochem hat eine nette Altstadt mit einem schönen Marktplatz und daneben natürlich auch die Reichsburg, die um 1100 als Zollburg errichtet wurde, zu bieten. In der heutigen (Bilderbuch-)Gestalt ist diese aber das Produkt einer romantisierenden Umgestaltung in der zweiten Hälfte des 19. Jhs. durch Julius Carl Raschdorff im Auftrag des kunstinteressierten Berliner Stahlhändlers Ludwig Friedrich Jacob Ravené ist. – Einkehrtipp in Cochem: Eisdiele Fratelli Bortolot am Moselufer (gut und vergleichsweise günstig mit schöner Terrasse in zentraler Lage).

Kommentar verfassen