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Romanische Kirchen in Köln

Obwohl uns nur 40 km von Köln trennen, waren wir in den letzten Jahren nur selten zu Besuch in der Domstadt. Um das ein wenig zu ändern, haben wir vor drei Wochen einen kleinen Rundgang zu einigen der großen romanischen Kirchen der Stadt gemacht.

Obwohl uns nur 40 km von Köln trennen, waren wir in den letzten Jahren nur selten zu Besuch in der Domstadt. Zu Veranstaltungen waren wir gelegentlich dort; auch im Zoo waren wir schon, vor einigen Jahren zudem im Römisch-Germanischen Museum und im wunderbaren Rautenstrauch-Joest-Museum. Von der Stadt haben wir bei diesen Besuchen allerdings eher wenig gesehen. Auch um das ein wenig nachzuholen, haben wir vor drei Wochen einen kleinen Rundgang zu einigen der großen romanischen Kirchen der Stadt gemacht.

Gestartet sind wir mit einem Besuch des Schnütgen-Museums. Das Museum präsentiert mittelalterliche Kunst in einer hellen und reduzierten Umgebung. Die einzelnen Werke kommen so sehr gut zur Geltung. Die Auswahl des Museums umfasst vor allem Skulpturen (Heilige), liturgische Geräte, Gewänder, Buch- und Glasmalereien. Die meisten Objekte stammen aus dem Rheinland (vom Nieder- bis zum Oberrhein), vieles auch aus Köln und Umgebung. Wir haben das Museum als Ausgangspunkt gewählt, weil auch einige der schönsten und wertvollsten Stücke aus den Kölner Kirchen dort ihren Platz gefunden haben. Überhaupt zeigt das Schnütgen-Museum nur Erstklassiges. Im Gegensatz zu manchen überladenen Großsammlungen, die reihenweise Gleichartiges vorstellen, wählt es sorgfältig aus. Das Museum bleibt dadurch trotz der beeindruckenden Kunstfülle überschaubar. Das entspannt den Rundgang. Zum Reiz trägt ganz wesentlich auch bei, dass wichtige Teile der Sammlung im Schiff der Kirche St. Cäcilia untergebracht sind. Der museal umgestaltete Kirchenraum schafft für die religiöse Kunst des Mittelalters den passenden Rahmen und eine fast meditative Atmosphäre, die einen gerne vor den einzelnen Werken verweilen lässt. Es ist in diesem Zusammenhang gut, dass das Museum den Eindruck der einzelnen Objekte nicht durch lange Erklärungen stört. (Wer Hintergrundinformationen benötigt, kann diese über eine Multimedia-Führung abrufen, die allerdings aktuell wegen technischer Probleme nicht zur Verfügung steht. Dafür gibt es auf der Homepage des Museums eine schöne Videoführung mit zahlreichen Erläuterungen, die man sich vorab ansehen kann.

Den Rundgang zu den romanischen Kirchen kann man in unmittelbarer Nähe des Schnütgen-Museums mit St. Aposteln beginnen. Die Kirche wurde zur Zeit des Erzbischofs Pilgrim in der ersten Hälfte des 11. Jahrhunderts erbaut und dann im 12. und 13. Jahrhundert erweitert. In der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts entstand der Westchor, der mit dem damals höchsten Kirchturm Kölns überbaut wurde. Um 1200 wurde die Ostseite (zum Neumarkt hin) mit dem sog. Dreikonchenchor (Chor mit drei halbrunden Nischen) errichtet. Von der mittelalterlichen Ausstattung der Kirche blieb nur wenig erhalten. Beachtenswert sind vor allem die aus Eichenholz gefertigten Apostelfiguren auf der Altarempore des Ostchors. Leider wird dieser Bereich der Kirche sehr unvorteilhaft gestört durch einen wuchtigen Altar-Baldachin des Kölner Bildhauers Sepp Kürten; auch die moderne Ausmalung der Gewölbe durch Hermann Gottfried (1988-1993) passt nicht wirklich gut zur Architektur. Stimmungsvollere Eindrücke vermitteln die Seitenschiffe der Kirche.

Vor oder nach dem Besuch der Apostelkirche kann man gut einkehren im Café „Törtchen Törtchen“. Neben einer großen Auswahl an Kuchen und Petitis Fours kann man hier auch lecker frühstücken. Das geht am Sonntag sogar bis 16 Uhr. Die aus verschiedenen Einzelstücken zusammengetragene Einrichtung ist gemütlich, der Service freundlich und das Preisniveau sehr verträglich. Ein Besuch ist unbedingt zu empfehlen!

Von der Kirche St. Aposteln erreicht man in ca. 15 Minuten zu Fuß die Kirche St. Georg. Erbaut in der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts, ist die Säulenbasilika St. Georg (die einzig erhaltene im Rheinland) heute nicht zuletzt deshalb interessant, weil die Kirche einen Einblick gibt in die Wahrnehmungs- und Deutungsgeschichte der Romanik. In den 1920er Jahren wurde St. Georg grundlegend saniert. Dabei wurden die in der Barockzeit abgebrochenen Querarme neu aufgebaut und die Kirche in weiten Teilen farblos gestrichen. So entsteht bis heute der Eindruck romanischer Kargheit (die so keinesfalls ursprünglich vorhanden war). Farbakzente setzen die wunderbaren geometrisch-figürlichen Fenster Jan Thorn Prikkers, die bei entsprechendem Lichteinfall schöne optische Effekte im Kircheninneren hervorrufen. Bedeutende Kunstwerke in der Kirche sind der fast modern anmutende Torso des Gekreuzigten oberhalb des Altars (aus dem 11. Jahrhundert; in der Kirche hängt heute nur eine Kopie, das Original befindet sich im Schnütgen-Museum) sowie das gotische Gabelkruzifix im Westchor (um 1400). 

Als letzte Kirche auf unserem Rundgang haben wir St. Pantaleon aus dem 10. Jahrhundert besucht (ca. 15 min. Fußweg von St. Georg). Die Kirche entstand auf Initiative des Erzbischofs Brun(o), Bruder und Berater des Kaisers Otto I. St. Pantaleon und ist eng mit der großen Reichsgeschichte verbunden, zumal hier im Jahr 991 auch die Kaiserin Theophanu, Gemahlin Ottos II., beigesetzt wurde. Das Grabmahl der Kaiserin, ein weißer Sarkophag aus griechischem Marmor (1965 von Sepp Hürten gefertigt), befindet sich in der nördlichen Seitenkapelle des Westwerks. – Das Westwerk von St. Pantaleon zeigt beeindruckend die ottonische Baukunst. Die gegenüberliegende Ostseite wird dominiert vom spätgotischen Lettner (um 1503; 1959 von der Westseite an seinen ursprünglichen Ort versetzt), der das Langhaus vom barocken Chor trennt. Nur noch in wenigen Kirchen haben sich Lettner in dieser Form und Größe erhalten. Vor dem Lettner befinden sich zwei Reliquienschreine: links der Maurinus-Schrein (um 1160), rechts der Albinus-Schrein (um 1183). Die beiden Heiligen begegnen auch in der Figurengruppe auf der Spitze des Lettners.

Wir hatten das Glück am Sonntag unseres Besuches um 16 Uhr ein schönes Orgelkonzert in St.- Pantaleon zu hören. Konzerte finden regelmäßig in der Kirche statt. Termine findet man über die Internetseite oder über die Übersichtsseite zur Kirchenmusik in Köln. Der Eintritt zu den Kirchenkonzerten ist in der Regel frei.

Zum Schluss noch ein Literaturtipp: Wem die Ausführungen in Georg Dehios „Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler NRW I/Rheinland“ (Berlin 2005) zu abstrakt und akademisch sind (obwohl der „Dehio“ der Pflichtbegleiter für alle Architekturinteressierten bei Ausflügen im Rheinland ist), der findet in Jürgen Kaisers „Kleinem Führer der grossen romanischen Kirchen in Köln“ (2015; günstige 9,90 Euro) knappe Darstellungen zur Historie, Architektur und Ausstattung aller romanischer Kirchen in Köln, zusammen mit sehr schönen Fotos.

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