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Das Kaiser Wilhelm Museum in Krefeld

Wer im Rheinland Kunst sehen will, fährt meistens nach Düsseldorf (oder nach Köln). Die großen Häuser in den Metropolen besitzen ein hohes Renommee und eine Ausstrahlungskraft weit in die Region hinein. Das macht es den Museen in der Umgebung nicht unbedingt leicht. Die Diskussion um das Museum Morsbroich in Leverkusen zeigt die Problematik, dabei ist das Niveau vieler Häuser im Umfeld der großen Städte beachtlich. Welche Schätze die Museen hüten, wird besonders deutlich, wenn das bauliche Umfeld und die Präsentation stimmen. Das ist jetzt in Krefeld beim Kaiser Wilhelm Museum der Fall.

Seit Frühjahr letzten Jahres präsentiert sich das Haus, ursprünglich 1897 nach Plänen des Krefelder Architekten Hugo Koch erbaut, im neuen Gewand. Die Innenräume sind großzügig und hell gehalten und die Werke mit großer Umsicht in diesen Räumen aufgestellt. Das Besondere der neuen Präsentation liegt sicherlich in der Verbindung älterer und neuerer Kunst. Das Museum verzichtet bewusst auf eine chronologische Anordnung. Auf diese Weise wird der Gefahr entgegengewirkt, dass man als Laienbesucher angesichts epochenspezifischer Ähnlichkeiten den Reiz und das Spezifische des Einzelwerks übersieht. Durch die thematische Anordnung ergeben sich immer wieder spannende Dialoge zwischen älterer und moderner Kunst. Die Einzelwerke treten deutlicher hervor und erhalten mehr Aufmerksamkeit. Das Konzept geht in den meisten Fällen auf, auch wenn gelegentlich einige Verknüpfungen sehr kontrastiv wirken.

Das Kaiser Wilhelm Museum verfügt insbesondere in Bezug auf die Kunst nach 1945 über herausragende Exponate. Seine Favoriten entdeckt natürlich jeder selbst. Trotzdem an dieser Stelle ein paar persönliche Empfehlungen: Am Anfang natürlich Claude Monets Gemälde des Londoner Parlamentsgebäudes von 1904; unglaublich, dass es einmal Diskussionen darüber gab, das Gemälde zu verkaufen, um aus dem Erlös das Museum zu modernisieren. Dann: Emil Noldes „Gefleckte Kühe“. Das Bild von 1913 überrascht durch den künstlerisch-sensiblen Blick auf ein sehr prosaisches Sujet.  Weiter Jean Tinguelys Skulptur „Olympia“, die zeigt, wie man aus zwei zerlegten Schreibmaschinen nachdenkliche Kunst gestalten kann; und Andreas Gurskys Fotos von der Ruhr bei Mülheim, die gerade durch das Fehlen der typischen seriellen Wiederholungen neue Perspektiven auf das Werk des bekannten Fotografen werfen. Und schließlich Robert Voits Fotografien von Mobilfunkmasten aus allen Teilen der Welt, die als Bäume, Palmen oder Kakteen getarnt sind. Die „natürlich“ kaschierten Masten wirken wie Symbole für die globale Zerstörung der Natur durch Technik oder vielleicht auch für die Sehnsucht nach echter Natur inmitten einer zunehmend technisch (digital) dominierten Welt.

 

 

Besonders beeindruckt und auch irritiert hat mich die Filminstallation von Teresa Hubbard und Alexander Birchler. Man sieht das Innere eines einfachen Fertighauses am Abend. Man sieht in die verschiedenen Räume in einfacher Alltäglichkeit, dezent beleuchtet durch hie und da platziere kleine Lampen. Man sieht auch ein Kinderzimmer und eine verstört wirkende Frau. Sie verlässt das Haus und hat eine Tasche mit Kindersachen dabei; dann geht sie zu einem vor dem Haus parkenden Pickup und fährt los… Den Rest muss man in Krefeld sehen (und zwar den ganzen Film und dann noch einmal von vorne!).

 


 

Das Kaiser Wilhelm Museum liegt am Rande der Krefelder City. Es ist gut mit dem Auto zu erreichen (Parkmöglichkeiten u. a. im Parkhaus Schwanenmarkt; Zufahrt über Breite Straße 103); vom Bahnhof sind es etwa 15 Minuten Fußweg. – Zu den Hauptwerken gibt es für 2 Euro einen Kurzführer, der die Werke chronologisch vorstellt und beschreibt. In der Ausstellung selbst sind die Werke nummeriert; anhand der Nummern findet man leicht die entsprechende Beschreibung im Kurzführer.

Wer nach dem Museumsbesuch eine kleine Stärkung braucht, dem sei das Restaurant Liebevoll an der Ecke Evertstraße/Wiedenhofstraße empfohlen. Das Restaurant bietet vegane Küche. Wir hatten nur einen Cappuccino (natürlich mit Sojamilch) und einen Kuchen – beides war sehr lecker. Wer bei Kaffee und Kuchen Wert legt auf eine gemütlich-ansprechende Atmosphäre, dem sei direkt nebenan das Cafe Liesgen (in der Wiedenhostraße) empfohlen. Hier wären wir auch gerne eingekehrt, aber leider waren (am Samstagnachmittag) alle Tische in dem kleinen Lokal schon besetzt – schade!

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