Art Düsseldorf
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Große Namen und/oder große Kunst? – Die Art Düsseldorf

Was also tun mit der Million, die möglichst sicher und gut angelegt werden will? Die Art Düsseldorf kennt Antworten auf diese Frage. Am Wochenende fand sie in der Landeshauptstadt zum ersten Mal statt. Wir haben die Messe auf dem Gelände des ehemaligen Stahlwerks Böhler in Lörick besucht und sagen Ihnen, ob und was Sie verpasst haben.

Sie kennen vielleicht die Situation: Die Zinsen sind niedrig, Aktien sind riskant. Was also tun mit der Million, die möglichst sicher und gut angelegt werden will? Die Art Düsseldorf kannte Antworten auf diese Frage. Am Wochenende fand sie in der Landeshauptstadt zum ersten Mal statt. Wir haben die Messe auf dem Gelände des ehemaligen Stahlwerks Böhler in Lörick besucht und sagen Ihnen, ob und was Sie verpasst haben.

Lohnend war bereits die Beobachtung des Publikums. Viele, die kamen, erschienen ähnlich dekorativ wie die ausgestellten Werke. Neben bodenständige Schlichtheit war viel italienische Eleganz und (leider) auch kanarienvogelhafte Extravaganz zu bestaunen. Bei nicht wenigen Besucher(inne)n blickte das Geld durch die Kleidung. Und Geld sollte man auf dieser Messe haben. Schon der Eintritt war über 20 Euro nicht gerade „volksnah“ angesetzt (für eine Verkaufsmesse). Noch weniger günstig waren die angebotenen Werke. Unterhalb des Kleinwagen-Budgets war kaum etwas zu machen. Darüber war der Kunsthimmel preislich offen.

Den Veranstaltern Andreas Lohaus und Walter Gehlen ist es gelungen, einige Schwergewichte der Galerie-Szene nach Düsseldorf zu holen. Untern den internationalen Namen stechen u. a. David Zwirner aus New York (sicherlich nicht zufällig direkt im Eingansgbereich platziert) und Bo Bjerggaard aus Kopenhagen hervor. Ansonsten kamen die meisten Galerien aus Deutschland, nicht wenige aus dem Rheinland, vor allem aus Köln und – natürlich – aus Düsseldorf.

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Viele Galerien setzten bei ihrem Programm auf bekannte Namen: Joseph Beuys, Günther Uecker (und auch sonst viel ZERO-Kunst), Anselm Kiefer, Gotthard Graubner, Markus Lüpertz usw. Für Kunstinteressierte war diese Auswahl nicht überall spannend. Der Markt bei den großen Namen ist (zumindest in  Teilen) einigermaßen leergefegt. Von erstrangigen Künstlern sind oft nur noch zweitrangige Werke zu bekommen. Wollen Sie sich wirklich von Günther Uecker einen der unzähligen (gediegenen, aber langweiligen) Nagel-Prägedrucke ins Haus hängen? Da macht man doch besser einen Ausflug ins Museum Abteiberg in Mönchengladbach und schaut sich dort kraftvoll-dynamische Großwerke des Künstlers an (z. B. „Phantom“ von 1963). Und das Ganze, wann immer man will für kleines Geld. Wer allerdings mit dem großen Geld den eigenen Besitz erweitern will, der muss manchmal nehmen, was kommt. Und das ist leider nicht immer das Beste.

atchugarry statueTrotzdem: Es fand sich auf der Art Düsseldorf durchaus das ein oder andere schöne Stück bekannter Künstler. So zum Beispiel zwei leichte Kissenbilder von Graubner, ein schweres großformatiges Flugzeug-Bild von Kiefer oder ein irrisierendes rot-blaues Farbfeldgemälde von Ulrich Erben. Letzteres (bei der Galerie Löhrl aus Mönchengladbach) ist mein persönlicher Favorit. Wenn ich es mir ins Wohnzimmer hängen könnte (wofür ich dann einige Jahre/Jahrzehnte auf Urlaube verzichten müsste), dann würde ich es mit einer der anmutigen Faltenskulpturen von Pablo Atchugarry (aus Uruguay; zu bestaunen bei Piero Atchugarry Gallery) kombinieren (die ich mir vermutlich auch bei lebenslangem Verzicht auf Urlaub nicht leisten könnte). Dafür garantiert der noble und solide Carara-Marmor unvergänglichen Kunstgenuss.

Wer anlage- bzw. spekulationstechnisch nicht zwingend auf die ganz großen Namen angewiesen ist, der konnte auf der Art Düsseldorf vor allem im Segment der jungen (und teilweise auch nicht mehr ganz so jungen) Etablierten einige spannende Entdeckungen machen. Janaina Tschäpe beispielsweise hat ein wunderschönes und geheimnisvolles Nachtgemälde mit dem romantischen Titel „I catch the moon from the sky for you“ gemalt, das Bo Bjerggaard im Angebot hatte. Die Schweizer Galerie Peter Kilchmann überzeugte mit emotional-dramatischen Paarbildern der in Berlin lebenden Künstlerin Valérie Favre. Und Cosar aus Düsseldorf zeigte einige irritierende Fotografien der Gursky-Schülerin Berit Schneidereit, bei denen die natürliche Form von Pflanzen durch künstliche Gitterstrukturen überlagert und verunklart werden – ein schönes Bild für die postmodernen Zweifel an Wahrheit und Wirklichkeit.

Auf der Art Düsseldorf konnte der Kunstliebhaber für ein paar Stunden in Schönheit schwelgen. In politisch und gesellschaftlich unruhigen Zeiten setzten die Galerien (oft) auf ruhige und harmonische Formate. Die gediegene Atmosphäre der Böhler-Hallen verstärkte diesen Eindruck noch. Vielen der Besucherinnen und Besucher dürfte dieses Bemühen um Eingängigkeit gefallen haben (mir übrigens auch). Allerdings sollte Kunst immer auch ein Stachel im Fleisch der Gesellschaft sein. Dazu muss sie gelegentlich auch roh, böse oder aggressiv auftreten. Auf der Art Düsseldorf war davon nicht ganz so viel zu spüren. Hier wünscht man sich fürs nächste Mal etwas weniger Gesetztheit und ein wenig mehr Mut.

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